Amriswil geht als Aussenseiter in den Playoff-Halbfinal

Text: Bernhard Windler

LINDAREN Volley Amriswil hatte sich für die Saison 22/23 höhere Ziele gesteckt als den vierten Platz nach der Qualifikation. Dass der letzte Rang, welcher zur Playoff-Qualifikation berechtigt, erst mit dem Sieg gegen Lausanne im letzten von 18 Spielen erreicht wurde, zeigt auf, dass während dieser Qualifikation nicht alles rund lief. Im Oktober war es die unglaubliche Dichte an Spielen mit 10 Partien innert 23 Tagen, davon Auswärtsspiele in Bosnien/Herzegowina, Kroatien und München. Dazu kam noch die unverständliche Ansetzung des Supercups in der Mitte dieser Stressphase. Im November/Dezember fiel mit Dima Filippov der Passeur und Lenker des Amriswiler Spiels verletzungshalber wochenlang aus. Kurz vor Jahresende trennte man sich zuerst von Coach Vincent Pichette und dann musste auch der im Vorfeld hochgelobte, aber meist unmotiviert wirkende Diagonalangreifer Jhon Wendt gehen. Und zu schlechter Letzt verletzte sich kürzlich Captain Facundo Imhoff so schwer, dass er zwecks Operation in seine Heimat Argentinien zurückkehrte und die Saison beenden musste.

Mit Chênois und Amriswil stehen sich im Playoff-Halbfinal die Meister der beiden letzten Jahre gegenüber. Am 14. April 2021 verlor Amriswil die 4. Partie des Playoff-Finals in Genf gegen den Qualifikationssieger Chênois. Mit Robin Rey, Jovan Djokic, Strahinja Brzakovic und Dejan Radic waren damals vier Spieler in den Starting Six, die auch 2023 zur Startformation gehören. Für die letzte Saison mussten die Genfer auf Passeur Robin Rey (Fortsetzung des Medizinstudiums) und Aussenangreifer Jovan Djokic (ex-Amriswil, 2021/2022 Engagement bei Allianz Milano) verzichten. Während der letzten Spielzeit krankte das Team an der ungenügenden Besetzung der Schweizer Positionen in der Mannschaft. Amriswil gewann den Playoff-Final klar mit 3:0. Zurück in alter Besetzung und ergänzt durch den Brasilianer Felipi Rammé auf Aussen, den Peruaner Daniel Urueña in der Mitte und Julian Fischer auf der Liberoposition ist Chênois in dieser Saison eine Mannschaft, die kaum Schwächen aufweist. Fünfmal hat Amriswil gegen das Team um Topscorer Strahinja Brzakovic gespielt. Im Supercup gewann man 3:0; in der Meisterschaft setzte es drei Niederlagen ab, dazu verlor man den Cup-Halbfinal, wenn auch nur äusserst knapp.

Die Qualifikation beendete Chênois auf Platz 1 mit 41 Punkten, vor Näfels mit 38, Schönenwerd mit 32 und Amriswil mit 27. Die 14 Punkte Differenz erklären die Favoritenrolle der Romands gegen die Amriswiler in diesem Playoff-Halbfinal deutlich. Der neue (alte) Headcoach Juan Manuel Serramalera vermochte das zuvor verunsicherte Thurgauer Team zwar zu stabilisieren, ob der Aufwärtstrend aber genügt, um den Favoriten vom Genfersee in der best of 5 – Serie auszuschalten, wird sich zeigen. Playoffs haben ja bekanntlich eigene Gesetze…